Zwei Jahrhunderte des Wandels
Wer ein Anwesen über Jahrhunderte führt, lernt schnell: Herrscher kommen und gehen, doch das Land bleibt. Als Kaiser Leopold II. im Jahr 1791 das Benediktinerstift Mondsee auflöste, fiel für den Eichingerbauern eine jahrhundertealte Last ab. Die Zehntpflicht war Geschichte, der Hof endlich unabhängig und souverän. Weder die Wirren der Napoleonischen Kriege zwischen 1810 und 1816, die das Mondseeland kurzfristig unter die bayerische Flagge stellte, noch die Neuordnung der Region durch Feldmarschall von Wrede (1823) konnten diese Freiheit verändern. Auf unserem Hof wurde unvermindert weitergearbeitet. Mit kluger Forstwirtschaft rund um die heimischen Eichen- und Mischwälder begegnete man dem wirtschaftlichen Strukturwandel der Zeit mit unaufgeregten Pragmatismus.
Mit dem Jahr 1872 hielt die Moderne Einzug – sie rollte auf Dampf und Schienen herbei. Die Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Bahn brachte das Wiener Bürgertum ins Salzkammergut und läutete die legendäre Epoche der Sommerfrische ein. Die Städter suchten am See genau das, was sie auch heute noch schätzen: saubere Luft, die Weite von See und Natur, eine gute österreichische Küche sowie Menschen voller Gastfreundschaft. Der Eichingerbauer war damals zwar noch kein Beherbergungsbetrieb, aber längst eine verlässliche Säule des regionalen Lebens: Als traditioneller Landwirtschaftsbetrieb versorgte der Hof die aufkeimende Gastronomie und die ersten Gasthäuser Mondsees mit frischen Lebensmitteln.
Es folgten die turbulenten 1920er-Jahren, in denen sich die Vielseitigkeit des Guts als erneuter Krisenanker erwies. Nach dem Ersten Weltkrieg modernisierte man die Bewirtschaftung, intensivierte die Viehzucht und schöpfte aus den eigenen Ressourcen neue Stärken. Als das Anwesen 1939 – im Schatten des ausbrechenden Zweiten Weltkriegs – sein 200-jähriges Bestehen feierte, war es genau diese unerschütterliche Urkraft des Erbhofs, die das Überleben ein weiteres Mal sicherte.
Der eigentliche Wandel zur Beherbergung nahm schließlich im Aufbruch der 1950er-Jahre seinen Lauf. Das einsetzende Wirtschaftswunder wurde zum befruchtenden Partner des familiären Pioniergeistes. Die Tore des Eichingerbauer öffneten sich erstmals für Urlaubsgäste. Was mit schlichten, dafür sehr „Herzlichen Zimmern mit Frühstück“ begann, war die Geburtsstunde einer Gastfreundschaft, die bis heute von Großzügigkeit, Hingabe, dem unverrückbaren Wert von Begegnungen und dem echten Bewusstsein für die eigenen Wurzeln getragen wird.
Historie im Überblick: 1739 bis 1950er
1739 (Ersterwähnung & Ursprung): Erste urkundliche Erfassung in den Zehntverzeichnissen des Stifts Mondsee als vielseitige Hofstelle mit Land- und Forstwirtschaft sowie regionalem Viehhandel.
1791 (Aufhebung der Grundherrschaft): Auflösung des Benediktinerstifts Mondsee unter Kaiser Leopold II. Der Eichingerbauer wird von den Zehntpflichten befreit und schlägt den Weg zur vollen Eigenständigkeit ein.
1810–1816 (Bayerische Episode): Das Salzkammergut und das Mondseeland gehören nach den Napoleonischen Kriegen vorübergehend zum Königreich Bayern.
1823 (Herrschaft Wrede): Übernahme der herrschaftlichen Güter durch Feldmarschall Carl Philipp von Wrede; wachsende Bedeutung der regionalen Forst- und Holzwirtschaft.
1872 (Beginn der Sommerfrische): Anbindung an das Schienennetz durch die Kaiserin-Elisabeth-Bahn. Der Eichingerbauer profitiert als Lebensmittel-Zulieferer für die aufkeimende Hotellerie am Mondsee.
1920er-Jahre (Modernisierung): Intensivierung der Viehzucht und Ausbau der Selbstversorgung nach dem Ersten Weltkrieg.
1939 (200-Jahr-Jubiläum): Der Hof feiert sein 200-jähriges Bestehen in Familienbesitz. Die landwirtschaftliche Substanz sichert den Betrieb während der Jahre des Zweiten Weltkriegs.
1950er-Jahre (Pionierzeit des Tourismus): Einstieg in die Gästebetreuung. Der Erbhof stellt die Weichen neu und bietet im Zuge des Wirtschaftswunders erstmals ein „Zimmer mit Frühstück“ an.
Häufige Fragen zur Geschichte (FAQ)
Wann wurde die Grundherrschaft des Stifts Mondsee aufgelöst?
Die Grundherrschaft des Benediktinerstifts Mondsee wurde 1791 unter Kaiser Leopold II. aufgehoben. Dadurch löste sich der Eichingerbauer von den bisherigen Zehnt- und Abgabepflichten gegenüber dem Stift.
Welche Rolle spielte der Eichingerbauer zu Beginn der Sommerfrische-Epoche ab 1872?
Als 1872 mit der Eröffnung der Kaiserin-Elisabeth-Bahn der Sommerfrische-Tourismus im Salzkammergut einsetzte, fungierte der Eichingerbauer als verlässlicher regionaler Zulieferer frischer Lebensmittel für die lokalen Gasthäuser und ersten Hotels am Mondsee.
Wann begann der Eichingerbauer mit der Beherbergung von Urlaubsgästen?
Der Wandel vom reinen Erbhof zum Beherbergungsbetrieb begann in den 1950er-Jahren. Mit dem aufkommenden Nachkriegs-Wirtschaftswunder vermietete der Betrieb erstmals „Zimmer mit Frühstück“ an Urlaubsgäste.
Gehörte das Mondseeland früher zu Bayern?
Ja, im Zuge der Napoleonischen Kriege gehörte das Mondseeland zusammen mit dem Salzkammergut von 1810 bis 1816 vorübergehend zum Königreich Bayern, bevor die Region wieder österreichisch wurde.

